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Japan-Notizen
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Religionen
Über 80% aller Japaner sind Buddhisten, etwa 70% Shintoisten und rund 1% Christen. Die Summe unter dem Strich verblüfft, doch die meisten Japaner finden es nicht ungewöhnlich, sich zu mehr als einer Religion zu bekennen. Der „Alleingültigkeitsanspruch“ einer Konfession ist ihnen eher suspekt. So folgt die der Taufe vergleichbare Feier dem shintoistischen Ritus, auch geheiratet wird shintoistisch (neuerdings bevorzugen jedoch viele Brautpaare eine christliche Trauungszeremonie mit ihrer „exotischen“ Romantik), Trauerfeiern dagegen werden nach buddhistischem Brauch begangen. Die Einstellung zu religiösen Fragen ist undogmatisch: Will etwa ein Ausländer - welchen Glaubens auch immer - in einem Shintoschrein heiraten, läßt sich das problemlos arrangieren.

Die wenigsten Japaner bezeichnen sich als religiös. Dennoch ist religiöses Brauchtum - shintoistische Matsuri-Feste, Reinigungsrituale, das buddhistische Totenfest (o-bon), selbst schamanistische Praktiken der Geisterbeschwörung - im Leben der Japaner fest verankert und prägender Bestandteil ihres kulturellen Erbes.

Shinto ("Weg der Götter"), die ursprüngliche Glaubensvorstellung der Japaner, ist keine Religion im eigentlichen Sinne; seine Wurzeln liegen in Schamanismus und Animismus. Shinto kennt weder einen ethisch-moralischen Prinzipienkodex, noch Sünde oder regelnde Gebote und folglich auch keine Erlösung, die ein Weiterleben im Jenseits verheißt. Vielmehr unterstreicht er die Einheit von Mensch, Natur und göttlicher Existenz. Im Shinto ist die Natur mit göttlichen Kräften beseelt, den Kami. Kami können in Bergen, Bäumen, Tieren, Stürmen u.v.a. wohnen, zu Kami werden aber auch die Seelen der Verstorbenen; deshalb übernahmen die Japaner auch die Ahnenverehrung, wie sie Konfuzius (551-479 v.Chr.) in China lehrte. Auch die göttliche Abstammung des Kaisers, wie sie in den ersten Reichschroniken (712 und 720) schriftlich fixiert ist, lehnt sich an die chinesische Vorstellung vom „Sohn des Himmels“ an und war zur Legitimation des Herrschaftsanspruches des damaligen Yamato-Clans sehr geeignet. Dem Mythos zufolge soll die Sonnengöttin Amaterasu (ein Nachkomme des Götterpaares Izanagi und Izanami, das die Inseln erschuf, s.S. xx) ihren Enkel Ninigi auf die Erde geschickt und so die japanische Rasse geschaffen haben. Ihr Urururenkel Jimmu-tenno bestieg angeblich 660 v.Chr. als erster japanischer Kaiser den Thron. Demnach wäre Kaiser Akihito der 125. Herrscher in gerader Linie. Die kaiserlichen Insignien - Spiegel, Schwert und Juwelenschmuck - gehen dieser Auffassung nach ebenfalls auf Amaterasu zurück.

Kleine Opferschreine für die Kami findet man überall - an belebten Geschäftsstraßen ebenso wie in der freien Natur. Zu Ehren der Kami feiert man die Matsuri-Feste. Der Abwehr böser Geister dienen eine Fülle von Reinigungsritualen: Der Shintoist spült vor dem Schreinbesuch Mund und Hände, der Priester schwenkt einen weißen Wedel während der Zeremonien, vor Beginn eines Sumo-Ringkampfes wird Salz hochgeworfen. Symbol des Reinheitsgedankens ist ein Metallspiegel auf dem Altar der Shintoschreine, die man am Torii, dem Balkentor am Eingang, erkennt.

Der Buddhismus kam über China und Korea nach Japan und wurde von Prinz Shotoku (574-622) zur Staatsreligion erklärt. Die Lehre Buddhas (6.Jh. v.Chr.), eine Erlösungsreligion mit einem hochentwickelten philosophischen System, das Heilswege zur Überwindung allen Leids aufzeigt, kam bereits in der Form des Mahayana-Buddhismus (‚Großes Fahrzeug’) nach Japan. Während nach der reinen Lehre, dem Hinayana-Buddhismus (‚Kleines Fahrzeug’) jeder Mensch nur aus eigener Kraft durch die Befolgung der Gebote Buddhas das Leid überwinden, ins Nirvana eingehen und damit aus dem Kreislauf der Wiederverkörperungen ausscheiden kann, stehen im Mahayana-Buddhismus Bodhisattvas hilfreich zur Seite. Sie sind erleuchtete Wesen, die solange nicht ins Nirvana eingehen, solange noch Menschen ihrer Hilfe bedürfen; der wohl bekannteste Bodhisattva Japans ist Kannon, die Göttin der Barmherzigkeit. Kami und Bodhisattvas gingen eine friedliche Koexistenz ein, Shinto und Buddhismus eine fruchtbare Symbiose. Shintoistische und buddhistische Tempel wurden ineinandergebaut, buddhistische Priester standen Shintoschreinen vor. Zahlreiche buddhistische Sekten entstanden. Die wichtigsten sind die Jodoshin-shu (gegründet von Shinran, 1173-1262) und die Nichiren-shu (gegründet von Nichiren, 1222-1282).

Einen tiefgreifenden Einfluß auf das geistige und kulturelle Leben übte der Zen-Buddhismus aus, den die Priester Eisai (Gründer der Rinzai-Sekte, 1244) und Dogen (Gründer der Soto-Sekte, 1244) in Japan einführten. Zen wird als Zustand der geistigen Konzentration definiert, der eine Loslösung von allen irdischen Bindungen voraussetzt. Meditative Übungen (zazen) sollen befähigen, Erleuchtung (satori) zu erlangen. Der philosophische Gehalt des Zen fand besonders in der Samurai-(Krieger-)Klasse Anklang und bildet die Grundlage nicht nur für alle traditionellen Kriegskünste, sondern auch für Kunstformen wie Teezeremonie und Blumenstecken.

Buddhistische Tempel sind an prunkvollen Eingangstoren, an Pagoden und Swastika-Symbolen zu erkennen.

Wer einen Schrein oder einen Tempel besichtigen möchte, muß vor dem Betreten der Innenräume die Schuhe ausziehen.

Das Christentum, das 1549 vom Jesuiten Franz Xaver in Japan eingeführt wurde, hatte zunächst bemerkenswerte Erfolge, obwohl der Ausschließlichkeitsanspruch des christlichen Gottes den religiös toleranten Japanern nicht entgegenkam. Als die Priester jedoch begannen, Einfluß auf die Machtkämpfe zwischen den Daimyo zu nehmen, verbot der Tokugawa-Shogun 1612 das Christentum, und dessen Anhänger wurden im Zuge der Abschließungspolitik gnadenlos verfolgt. Erst als die Shogunats-Regierung die Macht wieder an das Kaiserhaus abgeben mußte (Meiji-Restauration, 1868), öffnete sich Japan wieder und führte die Religionsfreiheit ein.

Gleichzeitig erfuhr der Shinto eine nationalistisch gefärbte Wiederbelebung. 1871 wurde er zur Staatsreligion erhoben, die göttliche Abstammung des Kaisers bestätigt, der damit oberster Shinto-Priester war. Für viele Japaner ist er das heute noch, auch wenn in der Verfassung von 1947 Religionsfreiheit und eine strikte Trennung von Staat und Kirche verankert sind. Jedes Jahr gibt es im Inselstaat heftige Diskussionen, wenn konservative Staatsrepräsentanten am 15.August denYasukuni-Schrein (s.S.xx) aufsuchen... Auch als der Kaiser anläßlich seiner Krönung im November 1990 dem shintoistischen Ritual entsprechend eine Nacht mit der Sonnengöttin in einem eigens dafür erbauten und anschließend wieder abgerissenen Shinto-Schrein verbrachte, kam es zu Protesten.

In der Nachkriegszeit entstanden zahlreiche sogenannte „neue Religionen“, zumeist buddhistische Sekten. Die bedeutendste dieser religiösen Organisationen, die Sokagakkai mit über 7Mio. Mitgliedern, verfügte bis 1994 sogar über eine eigene politische Partei (Komeito), die zweitstärkste Oppositionspartei im Parlament war. Ende 1994 schloß sich die Komeito mit anderen Gruppierungen zur Neuen Fortschrittspartei (Shinshinto) zusammen. Sie ist nach den Liberal-Demokraten die zweitstärkste Kraft im Parlament.

1995 versetzte die Endzeit-Sekte Aum Shinrikyo das Land in Angst und Schrecken. Bei Giftgas-Anschlägen kamen 21 Menschen ums Leben. Der Sektenguru Shoko Asahara wollte Japan ins Chaos stürzen und die Macht übernehmen: Ein Aum-Imperium sollte entstehen. Asahara und seinen Anhänger droht die Todesstrafe.
 
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